Stundenuhr des Leidens


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Stunde von 4 bis 5 Uhr

Jesus dem Spott der Soldaten preisgegeben,
mit Schmähungen und Beschimpfungen überhäuft


Jesus, mein süßes Leben! Während ich an deinem Herzen ruhe, fühle ich die Dornen, die es verwunden. Du willst eine dich liebende Seele in der Nähe haben. Siehe, ich achte auf alle deine Leiden und fühle Mitleid mit dir. O wie gerne möchte ich dich an meinem Herzen bergen, um mich an deiner statt den Unbilden auszusetzen und über mich jene Schmähungen, Pein und unaussprechlichen Demütigungen ergehen zu lassen. Nur deine Liebe vermag solche Schmähungen zu erdulden. Was kannst du von einem so unmenschlichen Volk erwarten?

Mein geduldigster Jesus! Deine Feinde treiben mit dir ihren Spott. Sie speien dir ins Angesicht. Das Licht deiner schönen Augen wird verdunkelt, während du Ströme von Tränen für unsere Rettung weinst. Aber den Ausdruck deiner göttlichen Majestät, gepaart mit unendlicher Sanftmut, können sie nicht verdunkeln. Sie erschaudern selbst vor ihren Freveltaten und schämen sich. Um jedoch mit größerer Willkür deine anbetungswürdige Person zu behandeln und ihrem schändlichen Treiben die Zügel schießen zu lassen, verbinden sie dir die Augen mit einem schmutzigen Tuch, schlagen dich mitleidlos, zerren dich hin und her, treten dich mit Füßen und geben dir immer wieder aufs neue Faustschläge und Backenstreiche. Sie raufen dir die Haare deines Haupts und Bartes aus, und werfen dich bald dahin, bald dorthin.

Jesus, meine Liebe! Mein Herz möchte mir stillstehen. Ich erschaudere und möchte meine Augen verhüllen, um dich nicht in solchem Leid und so schmerzvollen Szenen anschauen zu müssen. Aber du willst, dass ich auf alles achte, und die Liebe zwingt mich, dich anzuschauen. Jesus, was geschieht mit dir? Du sprichst nicht ein Wort zu deiner Verteidigung. Du bist den Händen dieser Soldaten preisgegeben, ein Spielball ihrer rohen Willkür. Sie schleudern dich auf den Boden und treten dich mit teuflischer Wut, dass ich fürchte, du könntest unter ihren Füßen sterben.

Mein einziges Gut und mein Alles! Der Schmerz, den ich beim Anblick deiner Leiden empfinde, ist so groß! Ich möchte laut aufschreien, dass es zu Himmel dringe, um den Vater, den Hl. Geist und alle Engel herbeizurufen, dir zu Hilfe zu kommen und dich zu trösten. Ich möchte auch auf Erden deine gütige Mutter und alle dich liebenden Seelen herbeirufen. Sie sollen sich um dich scharen und verhindern, dass diese schamlosen Soldaten dich weiterhin beschimpfen und peinigen.

Mit dir, o Jesus, möchte ich alle Sünden sühnen, die zur Nachtzeit begangen werden. Besonders für jene will ich Genugtuung leisten, die von den geheimen Sekten[1] gegen dich im hlst. Sakramente begangen werden.  Sühnen will ich alle Schwächen jener Seelen, die in der Nacht der Prüfung dir nicht treu bleiben.

Mein beschimpfter Jesus, die Soldaten, müde und zum Teil berauscht, wollen sich dem Schlaf überlassen. Mein armes, niedergeschlagenes, vom Anblick deiner Qualen zerrissenes Herz will nicht allein bei dir bleiben und sucht nach einer anderen Gesellschaft.

Meine süße Mutter Maria, lass mich auch unzertrennlich bei dir bleiben. Ich halte deine mütterlichen Hände fest und küsse sie voll Ehrfurcht. Du aber stärke mich mit deinem Segen. Lass uns Jesus umarmen und unser Haupt auf sein anbetungswürdiges Herz legen, um es zu trösten.

Jesus, mit deiner Mutter liebkose ich dich. Mit deiner Mutter werde ich mich dem Schlummer der Liebe hingeben in deinem anbetungswürdigen Herzen.

 

Erwägungen und praktische Übungen.

Jesus steht in dieser Stunde inmitten der Soldaten mit unerschütterlichem Mut und eiserner Standhaftigkeit. Als Gott duldet er alle Misshandlungen, die ihm die Soldaten antun, betrachtet diese jedoch mit solcher Liebe, als wollte er sie einladen, ihn noch mehr leiden zu lassen. 

Sind auch wir, wenn Leiden wiederkehren, standhaft? Oder gehören wir zu jenen, die sich beklagen, ihren Widerwillen zeigen und jenen Frieden des Herzens verlieren, der so notwendig ist, wenn Jesus in uns eine beglückende Wohnung finden soll?

Die Tugend der Standhaftigkeit lässt erkennen, ob der Herr wahrhaftig in uns herrscht. Ist unsere Tugend echt, dann werden wir einen Starkmut in der Prüfung bewahren, der nicht zeitweise anhält, sondern sich immer gleich bleibt. Nur dieser Starkmut gibt uns den Frieden. Je mehr Festigkeit wir in der Übung des Guten, im Arbeiten und Leiden zeigen, desto eher und mehr gelangen wir dazu, das Wirkungsfeld in unserer Umgebung zu erweitern, und dann wird Jesus auch die Mitteilung seiner Gnaden ausdehnen. Sind wir unbeständig, dann ist unser Wirkungskreis beschränkt, und Jesus kann gar nicht oder nur wenig Raum gewinnen. Sind wir hingegen stark und beständig, dann findet Jesus einen ausgedehnten Wirkungskreis und eine Stütze und einen Halt an uns, von dem aus er das Reich seiner Gnaden erweitert.

Wenn wir wollen, dass unser geliebter Jesus in uns ruhe, dann umgürten wir uns mit derselben Standhaftigkeit, mit der er für das Heil der Seelen gewirkt hat. So wird er in uns eine Verteidigung finden und einen süßen Ruheort in unserem Herzen. 

Jesus hat seine Peiniger mit Liebe betrachtet. Betrachten auch wir jene mit Liebe, die uns beleidigen? Ist die Liebe, die wir ihnen gegenüber an den Tag legen, so stark, dass ihre Stimme machtvoll in ihre Herzen dringt und sie für Jesus gewinnt?

Mein Jesus, Liebe ohne Grenzen, gib mir diese Liebe und bewirke, dass mich jedes Leid zu dir ruft.