Stundenuhr des Leidens


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20. Stunde von 12 bis 13 Uhr

Erste Stunde des Todeskampfs Jesu am Kreuz.
Erstes Wort: „Vater, vergib ihnen,
denn sie wissen nicht, was sie tun.”


Mein gekreuzigtes Gut! Ich erblicke dich auf dem Kreuz wie auf einem Thron des Triumphs am Werk, alles und alle Herzen zu erobern und sie mit Macht an dich zu ziehen, sodass alle deine Herrschergewalt empfinden. Die Natur, die bei dieser Missetat erschaudert, liegt zu deinen Füßen und erwartet schweigend den Befehl, dir Ehre zu erweisen und deine Herrschaft anzuerkennen. Als ob sie weinte, zieht die Sonne ihr Licht zurück, um dein allzu schmerzvolles Angesicht nicht schauen zu müssen. Selbst die Hölle empfindet Schrecken und erwartet mit Schweigen, was da kommen wird. Überall herrscht Stillschweigen. Deine von Leid durchbohrte Mutter und alle deine Getreuen stehen stumm da, wie erstarrt bei dem allzu schmerzlichen Anblick deines durch zahllose Wunden zerrissenen und blutenden Leibes. Sie warten schweigend auf dein Wort. Auch deine Menschheit, die in den Qualen des Todeskampfs in ein Meer von Schmerz versenkt ist, verhält sich schweigend, sodass von einem Augenblick zu andern zu befürchten ist, du werdest verscheiden. Ja, selbst die treulosen Juden und die erbarmungslosen Henkersknechte, die dich bis vor kurzem beschimpften und verhöhnten, dich Betrüger und Missetäter nannten, und sogar die beiden Schächer, die dich soeben noch gelästert hatten, sind verstummt. Auch bei ihnen regt sich das Gewissen. Wenn sie sich bemühen, ein Schmähwort gegen dich auszustoßen, so erstirbt es auf ihren Lippen.

Indem ich aber in dein Inneres eindringe, nehme ich wahr, dass deine Liebe überschäumt, dich überwältigt und sich nicht zurückhalten lässt. Gedrängt von dieser Liebe, die dich mehr peinigt als dein Leiden, flehst du mit lauter und ergreifender Stimme, indem du als Gott, der du bist, deine erlöschenden Augen zum Himmel erhebst:

„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.”

Und von neuem hüllst du dich in Stillschweigen, versenkt in unerhörte Qualen.

Gekreuzigter Jesus! Kann es eine solche Liebe geben? Ach, nach so vielen Peinen und Beschimpfungen ist dein erstes Wort die Bitte um Verzeihung, und du entschuldigst deine Feinde und uns beim Vater trotz der Menge unserer Sünden.  Dieses Wort lässt du nach der Schuld in jedes Herz herniedersteigen; du bist der erste, der Verzeihung anbietet. Aber wie viele nehmen sie nicht an und weisen sie zurück!

Bei diesen Worten erzittert die Hölle und erkennt dich als Gott an. Die Natur und alle Elemente sind erschüttert und erkennen deine Gottheit und deine unauslöschliche Liebe an und warten schweigend, um zu sehen, wie weit sie noch gehen wird.

Doch ist es nicht allein deine Stimme, auch dein Blut und deine Wunden rufen nach der Sünde jedem Herzen zu: „Komm in meine Arme, ich verzeihe dir! Das Siegel der Verzeihung ist der Preis meines Blutes.”

Mein liebenswürdiger Jesus! Wiederhole auch jetzt noch dieses Wort bei allen Sündern, die in der Welt sind. Bitte für alle um Barmherzigkeit und wende allen die unendlichen Verdienste deines kostbaren Blutes zu. Fahre fort, für alle die göttliche Gerechtigkeit zu besänftigen. Verleihe jedem die Gnade, der, wenn er verzeihen soll, nicht die Kraft dazu aufbringt.

Mein Jesus, anbetungswürdiger Gekreuzigter! In diesen drei Stunden bittersten Todeskampfs willst du alles erfüllen, was dir der Vater aufgetragen hat. Während du am Kreuz hängst, erkenne ich, dass du im Innern deiner Seele für alle Schuld und Sünde dem Vater Genugtuung leisten willst. Du dankst ihm für alles, sühnst für alle, bittest um Verzeihung für alle und flehst für alle um die Gnade, dich nicht mehr zu beleidigen. Um dies vom Vater zu erlangen, stellst du ihm dein ganzes Leben vom ersten Augenblick deiner Menschwerdung bis zum letzten Atemzug vor Augen. Meine grenzenlose Liebe! Gestatte, dass auch ich mit deiner trostlosen Mutter, dem hl. Johannes und den frommen Frauen dein ganzes Leben dem Vater vorstelle.

Mein süßer Jesus! Ich danke dir für die zahlreichen Dornen, die dein anbetungswürdiges Haupt durchstochen haben; ich danke für die Blutstropfen, die es vergossen, für die Schläge, die es empfangen hat, und dass du dir dein Haar ausraufen ließest. Ich danke dir für all das Gute, das du getan und allen erfleht hast, für das Licht und für die guten Einsprechungen, die du uns gegeben, und dass du uns unzählige Male alle Sünden, alle Gedanken des Stolzes, des Hochmuts und der Selbstüberhebung verziehen hast.

Um der Leiden willen, die du erduldet hast, bitte ich dich, guter Jesus, uns die Gnade zu erflehen, nie mehr Gedankensünden zu begehen. Ich möchte auch alles, was du an deinem heiligen Haupte erlitten hast, dir aufopfern, um dir jene Ehre und Verherrlichung zu geben, welche die Menschen dir erwiesen hätten, wofern sie von ihrem Verstand rechten Gebrauch machten.

Darum: „Lobet den Herrn, alle Völker, lobt ihn, alle Nationen, weil seine Barmherzigkeit sich an uns erwiesen hat und die Wahrheit des Herrn in Ewigkeit währet!” (Ps 11"). Ehre sei dem Vater ...

Ich bete dich an, mein Jesus, und danke dir für die Tränen und das Blut, das deine heiligen Augen vergossen haben; für jede Schmach, Verspottung und Missachtung, die du in deiner Passion ausgestanden hast. Ich bitte um Verzeihung für alle, die einen schlechten Gebrauch vom Geschenk ihrer Augen machen und durch Augenlust sündigen. Durch das Grauenhafte, das deine heiligsten Augen mit ansehen mussten, flehe ich zu dir, verleihe uns die Gnade, dass dich niemand mehr durch sündhafte Blicke beleidige. Ich opfere dir diese Leiden auch auf, um dir jene Ehre und Verherrlichung zu erweisen, welche die Geschöpfe dir erwiesen hätten, wenn sie ihre Blicke stets ausschließlich auf den Himmel, auf die Gottheit und auf dich, mein Jesus, gerichtet hätten.

Ich bete dich an, mein Jesus, und sage dir Dank für das, was du auf Kalvaria gelitten hast, als deine Ohren das wüste Geschrei und die Lästerungen der Henker anhören mussten. Im Namen aller Menschen bitte ich dich um Verzeihung für alle Sünden, die durch Anhören böser Reden begangen werden, und flehe zu dir, dass sich das Gehör aller Menschen den ewigen Wahrheiten wie den Einsprechungen der Gnade erschließe und niemand mehr dich beleidige durch das Anhören böser Reden. Ich opfere dir alles, was dein Gehör gelitten hat, auf, um dir jene Ehre und Verherrlichung zu erweisen, welche die Menschen dir erwiesen hätten, wenn sie von ihrem Gehör einen heiligen Gebrauch gemacht hätten.

Ich bete an, mein Jesus, dein heiligstes Antlitz und danke dir für alles, was es gelitten hat durch Anspeien, Backenstreiche, Spott und Hohn. Im Namen aller Menschen bitte ich um Verzeihung für alle Beleidigungen, die dir in dreistem Übermut zugefügt worden sind. Ich bitte dich um der Backenstreiche und der Besudelung deines Angesichts willen, mache doch, dass von allen Menschen deine Gottheit anerkannt, geliebt und verherrlicht werde. Mein Jesus, ich möchte sogar die ganze Welt vom Morgen bis zum Abendland, vom Norden bis zum Süden durchwandern, möchte alle Stimmen der Menschen vereinigen und in eine Stimme des Lobes, der Liebe und der Anbetung verwandeln. Ich möchte alle Menschenherzen zu dir hintragen, auf dass du in alle Licht, Wahrheit, Liebe und Mitleid durch deine Passion hineinlegest. Während du allen verzeihst, bitte ich dich, und wäre es um den Preis meines Blutes, nicht zuzulassen, dass jemals ein Menschenkind dich noch beleidige. Schließlich opfere ich dir noch alles auf, was dein heiligstes Antlitz gelitten hat, um dir die Ehre und Verherrlichung zu geben, welche die Geschöpfe dir gegeben hätten, wenn sich niemand erkühnte, dich zu beleidigen.

Ich bete dich an, mein Jesus, und danke dir für alles, was dein heiliger Mund je gesprochen und gelitten hat: für dein erstes Weinen in der Krippe, für alle Worte des Lebens, der Liebe, für alle Worte der Güte, die er zu deiner Mutter gesprochen, für die Speise, die er gekostet, für die bittere Galle, die er getrunken, für den brennenden Durst, den er am Kreuze erduldet, für die Gebete, die er zum Vater hat emporsteigen lassen. Ich bitte um Verzeihung für alles Murren, für alle bösen und leichtfertigen Reden, die geführt, für alle Flüche, die von Menschen ausgesprochen werden. Ich opfere, meine Jesus, deine heiligen Reden zur Sühne für alle bösen Reden auf; ich opfere die Abtötung deines Geschmacks auf, um für die Gaumenlust und für alle Sünden zu sühnen, die durch schlechten Gebrauch der Zunge begangen werden. Alles, was dein heiligster Mund gelitten hat, opfere ich dir auf, um dir jene Ehre und Verherrlichung zukommen zu lassen, welche die Menschen dir erwiesen hätten, wenn dich keiner unter ihnen durch Gaumenlust und Missbrauch der Zunge beleidigt hätte.

Ich danke dir, mein Jesus, für das, was du an deinen Schultern gelitten, für alle Schläge, die du erhalten, für alle Wunden, die du deinem heiligsten Leib hast beibringen lassen, für jeden Blutstropfen, den du vergossen hast. Ich bitte dich im Namen aller Menschen um Verzeihung so oft, wie du durch die Liebe zur Bequemlichkeit, durch unerlaubte und nicht einwandfreie Vergnügungen beleidigt worden bist. Ich opfere dir deine schmerzvolle Geißelung auf, um alle Sünden zu sühnen, die mit den Sinnen, durch Liebe zu Lustbarkeiten und sinnlichen Vergnügungen, durch Eigenliebe und natürliche Befriedigung begangen worden sind. Ich mache auch die Meinung, was du an deinen Schultern gelitten hast, dir aufzuopfern, um dir jene Ehre und Verherrlichung zu geben, welche die Menschen dir erwiesen hätten, wenn sie sich in allem bestrebt hätten, dir allein zu gefallen und sich unter den Mantel deines göttlichen Schutzes zu flüchten.

Mein Jesus, ich küsse deinen linken Fuß und danke dir für alle Schritte, die du in deinem sterblichen Leben getan hast. Auch danke ich dafür, dass deine Glieder sooft müde geworden sind, während du auf der Suche nach Seelen warst, um sie zu deinem Herzen zu führen. In dieser Absicht opfere ich dir alle meine Handlungen, Schritte und Bewegungen auf, um dir Genugtuung zu leisten für alle und für alles. Ich bitte dich um Verzeihung für jene, die nicht in der rechten Absicht handeln. Ich vereinige mit deinen Handlungen die meinigen, um sie zu vergöttlichen. Ich opfere sie auf, vereinigt mit all deinen Werken, die deine heiligste Menschheit verrichtet hat, um dir jene Ehre und Verherrlichung zukommen zu lassen, welche die Menschen dir erwiesen, wenn sie in heiliger und rechter Absicht gehandelt hätten.

Ich küsse, mein Jesus, deinen rechten Fuß und danke dir für alles, was du für mich gelitten hast und noch leidest, besonders für die Stunde, da du am Kreuze hängst. Ich danke dir für die entsetzliche Qual, welche dir die Nägel in deinen Wunden bereiten, die sich unter dem Gewicht deines heiligen Leibes immer mehr erweitern. Ich bitte um Verzeihung für alle Empörungen und alle Akte des Ungehorsams, die von den Menschen begangen werden. Ich opfere dir zur Sühne für diese Beleidigungen die Schmerzen deiner Füße auf, um dir jene Ehre und Verherrlichung zuteil werden zu lassen, welche die Menschen dir erwiesen hätten, wären sie dir in allem untertan geblieben.

Ich küsse, o Jesus, deine linke Hand und danke dir für alles, was du für mich gelitten und dass du sooft die göttliche Gerechtigkeit besänftigt, indem du für alle Genugtuung geleistet hast.

Ich küsse deine rechte Hand und danke dir für all das, was du Gutes gewirkt hast und noch für alle wirkst, insbesondere für die Werke der Erschaffung, Erlösung und Heiligung. Ich bitte dich im Namen aller Menschen sooft um Verzeihung, wie wir deinen Wohltaten gegenüber undankbar gewesen sind und unsere Werke nicht in der rechten Meinung verrichtet haben. Zur Sühne für alle diese Vergehen opfere ich dir die Vollkommenheit und Heiligkeit deiner Werke auf, um dir alle Ehre zu geben, welche dir die Geschöpfe erwiesen hätten, wenn sie allen diesen Wohltaten entsprächen.

Ich verehre, mein Jesus, auch dein heiligstes Herz und sage dir Dank für alles, was du gelitten und gewirkt hast aus Liebe zur ganzen Menschheit und zu jedem einzelnen. Ich bitte um Verzeihung für so viele böse Begierden, Gefühle und Neigungen. Habe Nachsicht, Jesus, mit allen, die deine Liebe der Liebe der Geschöpfe nachsetzen. Um dir jene Ehre und Verherrlichung zuteil werden zu lassen, welche die Geschöpfe dir verweigern, opfere ich dir alles auf, was dein anbetungswürdiges Herz getan hat und noch fortwährend tut.

Mein Jesus, im Namen aller Menschen möchte ich den Hymnus ewiger, unendlicher Dankbarkeit anstimmen. Ich mache die gute Meinung, all das, was deine heiligste Person gelitten hat, dir als Opfer darzubringen, und dir jene Ehre und Verherrlichung zu erweisen, welche dir alle Menschen erwiesen, wenn sie ihr Leben dem deinigen gleichförmig gestaltet hätten.

 

Erwägungen und praktische Übungen.

Jesus, am Kreuz erhöht, bleibt hier hängen, ohne die Erde zu berühren. Bemühen auch wir uns, losgeschält von der Welt zu leben, von den Geschöpfen und allem, was irdisch ist? [1] Alles soll dazu beitragen, das Kreuz zu bilden, auf dem wir ausgestreckt hängen bleiben müssen wie Jesus, fern von allem, was irdisch ist, damit sich die Geschöpfe nicht an uns hängen.

Der göttliche Heiland hat kein anderes Ruhebett als das Kreuz, keine andere Erquickung als Wunden und Schmach. Reicht unsere Liebe zu Gott so weit, dass auch wir Ruhe im Leiden finden? Verschließen wir alles, was wir tun, Gebet und Leiden, in die Wundmale und das Blut Jesu? Suchen wir nirgendwo Erquickung als in seinen Leiden, dann werden seine Wunden die unsrigen sein, sein Blut wird beständig in uns arbeiten, um unsere Seele zu reinigen und zu verschönern. So werden wir jede Gnade für uns und für die Rettung der Seelen erlangen. Da wir das Blut Jesu in unserem Herzen in Verwahrung haben,[2] so beten wir, wenn wir uns eine Nachlässigkeit zuschulden kommen lassen, zu Jesus, er möge nicht zugeben, dass unsere Seele in seiner Gegenwart besudelt werde, vielmehr möge er unsere Seele waschen mit seinem Blut und uns immer bei sich behalten.

Fühlen wir uns schwach, dann beten wir zu Jesus, er möge unserer Seele einen Schmuck seines kostbaren Blutes reichen, damit sie stark werde. 

Der gütigste Jesus betet für seine Henkersknechte und entschuldigt sie sogar. Machen auch wir uns das Gebet Jesu zu eigen? Entschuldigen wir immerfort die Sünder vor dem Vater, um für sie Verzeihung zu erlangen, auch für jene, die uns beleidigt haben?

Wenn wir beten, arbeiten, uns erholen, vergessen wir auch jene armen Seelen nicht, die im Begriff stehen, ihr Leben auszuhauchen. Tragen wir ihnen als Beistand und Tröstung die Gebete und den Kuss der Versöhnung Jesu zu, damit sein kostbares Blut sie reinige und ihren Flug in den Himmel nehmen lasse.

Mein Jesus! Aus deinen Wunden und deinem Blut möchte ich die Kraft schöpfen, in mir dein Leben wiederholen zu können. So werde ich für alle das Gute erlangen, das du selbst getan hast.